Wir empfehlen

Seit bald einem Jahr empfiehlt das Bücher-Fass wöchentlich im  Radio Rasa ein Buch (Ausstrahlung jeweils am Dienstag- und Freitagmorgen).
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Unser Buchtipp für die Woche 16/2018

Wer kennt sie nicht, die Kinderbuchklassiker „Emil und die Detektive“, „Das fliegende Klassenzimmer“ oder „Das doppelte Lottchen“ – und wer als Erwachsener das Werk des Autors weiter verfolgt hat, kennt wohl auch seinen eindrücklichen Roman „Fabian“ aus dem Berlin der 20er Jahre und der Weimarer Republik. Kästners Bücher wurden von den Nazis verbrannt, emigriert ist der Autor jedoch nicht. Während der Kriegszeit führte er klandestin ein Tagebuch, das er eigentlich als späterer Steinbruch für einen grossen Roman angelegt hat. Er notiert darin den Alltag; nicht den Alltag des Armeeangehörigen, sondern jenen der Zivilobevölkerung. Er notiert, was in den Zeitungen zu lesen ist, was die Leute miteinander reden. Kästner zeichnet somit ein Bild, das heute auch jemand schildern könnte, der den Krieg in Syrien als Zivilist erlebt. Erschütternd dabei ist, dass wir uns offensichtlich nicht mehr vorstellen können, was Krieg bedeutet – und wir, noch viel bedenklicher, nicht zu bemerken scheinen, dass Kriege fast immer dort losbrechen, wo Diktaturen herrschen. Ein nicht nur stilistisch, sondern auch ein herausragend sorgfältig editierter Band.
Und wenn Sie die Buchbinde mit dem Titel entfernen, so halten Sie, wie einst Kästner, ein in blaues Leinen gebundenes Buch in den Händen – ohne jede Aufschrift.

Unser Buchtipp für die Woche 15/2018

Im MAGAZIN 11/2018 war eine grosse Reportage mit dem „Mission Orgasmus – In Ruanda wissen die Menschen mehr über den weiblichen Orgasmus als in jedem anderen Land der Welt“ zu finden. Die schon mehrfach ausgezeichnete Journalistin berichtet in ihrer Reportage über ein Land, von dem seit dem unvorstellbar brutalen Genozid ab 1994 eigentlich keine positiven Meldungen mehr vermeldet wurden. Und Barbara Achermann, 1979 in Thayngen/SH geboren, berichtet von einer ganz anderen Seite über das schwarzafrikanische Land. Sie erzählt von der Lebensenergie der Frauen und ihrer Kraft, dem Grauen Hoffnung entgegenzusetzen. Offenbar mit Erfolg, wie  nun auch ihr bei Reclam erschienenes Buch „Frauenwunderland – Die erfolgsgeschichte von Ruanda“ antönt. Auch wenn das Buch hauptsächlich die positiven Seiten herauskehrt, verschweigt die Autorin die Schwierigkeiten nicht. Ein gut geschriebenes Buch, das Mut macht.
Barbara Achermann wird übigens ihr Buch im Rahmen der Schaffhauser Buchwoche im November 2018 vorstellen.

Unser Buchtipp für die Woche 14/2018

Amos Oz ist der wohl bedeutendste zeitgenössische Schriftsteller Israels, ein Autor, der sich seit Jahrzehnten für einen Frieden im Nahen Osten einsetzt. „Liebe Fanatiker“ heisst das schmale Buch, das kürzlich erschienen ist; ein Buch, das drei Plädoyers für eine Friedensfindung versammelt, widmet er seinen Enkelkindern und es ist ein Buch, nicht nur für alle jungen Leute. Im titelgebenden Plädoyer macht der Autor zuerst einmal klar, dass Fanatismus mit Christentum, Judentum oder dem Islam nicht in direktem Zusammenhang stehen. Fanatismus, meint Oz, sei wie ein schlechtes Gen und mit diesem müsse man lernen umzugehen.  Ein erhellendes Buch, das einen wieder zuversichtlich stimmt, dass die Welt trotz allem doch nicht so hoffnungslos verloren ist. Ein Buch, das auch Mut macht, weiterhin an die Kraft der Vernunft zu glauben und nicht daran zu verzweifeln. Ebenfalls empfehlenswert ist das kleine Büchlein „Jesus und Judas“, wo sich Oz als sorgfältiger Leser der Heiligen Schriften zeigt. Und zu guter letzt kann man mit dem 1965 erschienenen Buch, dem ersten des Autors, eindrücklich nachvollziehen, dass ein überragender Autor sich schon im Frühwerk offenbart: „Wo die Schakale heulen. Acht Erzählungen.“

Unser Buchtipp für die Woche 13/2018

Wer die Sternbilder im Firmament kennt, der findet sich auch ohne Buch zurecht.  Wer aber vor Abermillionen funkelnder Sterne ins nachtblaue All blickt und nicht ein Sternbild ausmachen kann, den kann die schiere Verzweiflung packen. Auch ich selber versuche es immer wieder, mittels eines Buches mehr zu erkennen als den grossen und den kleinen Wagen, den Orion oder die Wega. Das schmale Buch von Klaus Schittenhelm verspricht Abhilfe. Der Autor beschränkt sich auf  25 Sternbilder und verspricht, dass man diese sicher erkennen lernen könne. Ein anschaulich gut verständliches Buch, das einen ermuntert, einmal mehr nochmals einen Versuch zu unternehmen, Sternbilder aus dem Sternenmeer herauszufiltern.

Kosmos Verlag, 94 Seiten, Fr. 13.30

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